Taraneh

Donnerstag, 20. September 2018, 20:46 von Henriette

Draußen war es bereits dunkel geworden. Die Band auf der kleinen Live-Bühne am anderen Ende des Raumes spielte alte Stücke von Al Jarreau. Wir tranken Wein, und Taraneh erzählte mir, wie sie als Kind mit ihren Großeltern vor der Islamischen Revolution und dem ersten Golfkrieg nach Europa geflohen war. Ihre Eltern waren beide von Chomeinis Revolutionsgarden als Dissidenten zum Tode verurteilt und ermordet worden. »Meine Familie stammt aus Chorramschahr, das wir jetzt Khunishahr nennen, Stadt des Blutes. Es liegt direkt am Arvand Rud, dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der bei den Irakern Schatt al-Arab heißt. Dort begann im Herbst 1980, eineinhalb Jahre nach der Islamischen Revolution Ruhollah Chomeinis, der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak. Saddam Hussein hatte es seit langem auf den Arvand Rud und die Provinz Chuzestan, das alte Elam, abgesehen. Nicht nur wegen des Öls. Er sah den Angriff gewissermaßen als eine Wiederholung der glorreichen Schlacht von al-Qadisiyya im 7. Jahrhundert. Die Vergangenheit ist noch sehr lebendig in unserem Land.«

Plötzlich stand sie auf. »Entschuldigt mich kurz. Ich bin jetzt dran.« Zwei junge Frauen, die in der Nähe der Bühne gesessen hatten, waren ebenfalls aufgestanden und hatten ihr Zeichen gegeben, sich zu beeilen. Sie ging zur Bühne hinüber und nahm das Mikrofon, während die anderen Bandmitglieder zu ihren Instrumenten griffen. »Bonsoir, Mesdames et Messieurs, et bienvenue au Morvarid! Nous sommes Les Grues Sublimes.«

Taranehs Stimme war warm und leicht gebrochen, kraftvoll und zugleich sanft. Der Sound war ein Stilmix aus Jazz und Soul mit Elementen orientalischer Folklore, auf leise Balladen folgten beschwingte Tanzlieder, die schließlich in stampfenden Rhythmen gipfelten. Tara war umwerfend.

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