Nogaret

Freitag, 21. September 2018, 07:39 von Henriette
Schreibtisch
Foto: DeviantArt / erkalimero

Wieder weckte mich heute mein Mobiltelefon. Diesmal war es nicht Mme Navarre. »Allô? Spreche ich mit Mademoiselle Künrad?« sagte eine schroffe Männerstimme am anderen Ende. »Hier ist Lieutenant Nogaret, Justizpolizei. Melden Sie sich bitte umgehend im Commissariat du 5e arrondissement, Rue de la Montagne Sainte-Geneviève. Ich hätte ein paar Fragen an Sie.«

»Worum geht es denn?« wollte ich wissen.

»Das kann ich Ihnen am Telefon nicht sagen. Bitte kommen Sie, so schnell Sie können.«

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Gilgamesch

Donnerstag, 20. September 2018, 23:07 von Henriette
Gilgamesch besiegt Chumbaba
Gilgamesch besiegt Chumbaba (ca. 860 v. Chr., Foto: gemeinfrei)

»Wow!« rief ich bewundernd, als der Beifall verklungen war und Tara, verschwitzt und außer Atem, wieder zu uns an die Bar zurückkam. Sie leerte eine halbe Flasche Wasser, dann wandte sie sich an mich. »Was hat es denn jetzt mit deinem geheimnisvollen Buch im Louvre auf sich?«

Ich erzählte den beiden von dem Kodex, von dem syrischen Mönch, dem Kloster in der Wüste und dem Untergang des Reiches von Edena.

Als ich mit meinem Bericht zu Ende war, sprang Nicholas auf und warf dabei fast den Barhocker um. »Mann, Henriette, weißt du, was du da sagst? Das ist eine Sensation! Ich meine, völlig egal, ob die Geschichte des Mönchs wahr ist oder nicht. Allein der Fund des Buches ist eine Riesensache! Was glaubst du, was das alte Ding wert ist?«

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Taraneh

Donnerstag, 20. September 2018, 20:46 von Henriette

Draußen war es bereits dunkel geworden. Die Band auf der kleinen Live-Bühne am anderen Ende des Raumes spielte alte Stücke von Al Jarreau. Wir tranken Wein, und Taraneh erzählte mir, wie sie als Kind mit ihren Großeltern vor der Islamischen Revolution und dem ersten Golfkrieg nach Europa geflohen war. Ihre Eltern waren beide von Chomeinis Revolutionsgarden als Dissidenten zum Tode verurteilt und ermordet worden. »Meine Familie stammt aus Chorramschahr, das wir jetzt Khunishahr nennen, Stadt des Blutes. Es liegt direkt am Arvand Rud, dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der bei den Irakern Schatt al-Arab heißt. Dort begann im Herbst 1980, eineinhalb Jahre nach der Islamischen Revolution Ruhollah Chomeinis, der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak. Saddam Hussein hatte es seit langem auf den Arvand Rud und die Provinz Chuzestan, das alte Elam, abgesehen. Nicht nur wegen des Öls. Er sah den Angriff gewissermaßen als eine Wiederholung der glorreichen Schlacht von al-Qadisiyya im 7. Jahrhundert. Die Vergangenheit ist noch sehr lebendig in unserem Land.«

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Nicholas

Donnerstag, 20. September 2018, 14:07 von Henriette
Notre-Dame de Paris
Notre-Dame de Paris (Bild: iStock.com/Givaga)

Im Augenblick konnte ich nichts weiter tun als zu warten. So beschloss ich, einen kleinen Spaziergang an der Seine zu machen. Unterwegs rief ich Karnberg an und berichtete ihm über unsere Fortschritte, jedoch — ich weiß nicht genau, warum — verschwieg ich ihm die Details zum Inhalt des Textes. »Die Sprache des Buchs ist elamisch. Es erzählt eine Legende aus dem Alten Orient«, sagte ich nur.

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Diluvium

Donnerstag, 20. September 2018, 11:42 von Henriette
›Die Sintflut‹ von Francis Danby, 19. Jh. (gemeinfrei)

»Das … das ist unglaublich«, sagte ich und starrte weiter auf das Blatt Papier. »Das klingt fast wie eine Chronik. Ein Bericht aus der Jungsteinzeit, als die Menschen sesshaft wurden. Eine hochentwickelte Kultur vor 12.000 Jahren, die bereits die Schrift kannte … Mann!«

»Man vermutet schon lange, dass die Geschichten von der Sintflut, die man sich überall auf der Welt erzählt, Erinnerungen an das Ende der letzten Eiszeit sind, als die Gletscher schmolzen«, sagte Betmar. »Aber diese Geschichte hier verbindet die Sintflut mit der Vertreibung aus Eden, als wären beide Ereignisse ein und dasselbe gewesen. Die Flut vertreibt die Menschen aus dem Paradies. Ihrem Paradies.«

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