Edena

Dienstag, 14. August 407 AD, 23:29 von Basileios von Edessa
Thomas Cole, The Course of the Empire II: The Arcadian State, 1836
Thomas Cole, The Course of the Empire II: The Arcadian State, 1836 (gemeinfrei)

Es begab sich vor etwa 12.000 Jahren, dass eine Gruppe schweifender Wildbeuter auf ihrer Wanderung ein grünes, fruchtbares Tal entdeckte. Die weiten Grasebenen wurden von sanften, baumbestandenen Hügeln und glitzernden Bächen durchzogen. Dort lebte allerlei Getier, und die Bäume trugen reichlich Früchte. In das Tal mündeten vier Flüsse, die sich dort zu einem einzigen großen Strom vereinten, der wie ein blaues Band die gesamte Oase durchzog. Etwa auf der Hälfte seines Weges durch die Ebene stürzte der Fluss in schäumenden Kaskaden in einen großen, kreisrunden See, in dessen klarem Wasser sich unzählige Fische tummelten. Weit draußen auf dem See schimmerten die Umrisse einer flachen Insel durch den Nebel.

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Elam

Donnerstag, 20. September 2018, 07:31 von Henriette
›Einhorn‹ im Palast von Dareios I., Susa
›Einhorn‹ im Palast von Dareios I., Susa (Foto: Wikimedia Commons / Mohammad.m.nazari, CC BY-SA 4.0)

Heute Morgen riss mich in aller Herrgottsfrühe das Klingeln meines Mobiltelefons aus dem Schlaf. »Mademoiselle Künrad«, tönte es aufgeregt am anderen Ende der Leitung. Es war Mme Navarre. »Ziehen sie sich etwas an und kommen Sie zu Betmar! Er hat den Text entschlüsselt.«

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Rosette

Mittwoch, 19. September 2018, 14:48 von Henriette
Tontafel mit Linearschrift B
Tontafel mit Linearschrift B aus dem mykenischen Palast des Nestor in Pylos (Foto: How Cool Is Writing?, Flickr / Sharon Mollerus, CC BY 2.0)

Der Professor saß nun schon seit geraumer Zeit über die Fotos gebeugt und tippte mit der Kappe seines geschlossenen Füllfederhalters nacheinander einzelne Symbole auf den Buchseiten an. Dabei zählte er leise vor sich hin und machte sich dabei immer wieder Notizen auf ein Blatt Papier.

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Eine Schrift aus der Bronzezeit

Mittwoch, 19. September 2018, 12:28 von Henriette

Betmar zündete sich eine Zigarre an und machte sich sogleich daran, die folgenden Buchseiten mit den unbekannten Symbolen zu studieren. »Die Zeichen entstammen mit Sicherheit der Indus-Schrift«, sagte er nach einer Weile und blies mir eine dicke Rauchwolke ins Gesicht. »Die Schreibrichtung ist von rechts nach links, genau wie bei den Texten aus dem Industal. Schauen Sie hier.« Er fuhr mit dem Finger eine Textzeile auf einem der Fotos entlang. »Die Abstände zwischen den Zeichen werden von rechts nach links immer enger, und auch die Zeichen selbst werden etwas kleiner. Da ist dem Schreiber der Platz knapp geworden.«

Ich war schon ein wenig beeindruckt, wieviel Informationen Betmar dem Text bereits beim ersten Hinsehen entlocken konnte.

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Lapis exillis

Mittwoch, 19. September 2018, 09:17 von Henriette
Edward Burne-Jones, The Attainment of the Holy Grail
Edward Burne-Jones, The Attainment of the Holy Grail (Foto: gemeinfrei)

Ich war überrascht, wie bereitwillig Karnberg mir gestern einen verlängerten Aufenthalt in Paris gewährt hatte. Ich hatte mich bei meinem Anruf auf eine längere Diskussion mit ihm eingestellt, doch er schien die Frage bereits erwartet zu haben und sagte mir spontan fünf weitere Tage zu. »Es kann uns ja nur recht sein, wenn uns die Franzosen die Arbeit abnehmen«, hatte er noch hinzugefügt.

Nach einem vorzüglichen Frühstück in Cathérines Bistro an der Place Dauphine machte ich mich mit Mme Navarre auf zu einem gewissen Monsieur Betmar, der uns vielleicht mehr über die unbekannten Zeichen würde sagen können. Er war ein pensionierter Philologe, der eine kleine Mansarde im Quartier Latin in der Nähe des Jardin du Luxembourg bewohnte. Er erwartete uns im Morgenmantel in der Tür, als wir etwas außer Atem das oberste Stockwerk erreicht hatten. Betmar war ein Gentleman alter Schule, der in jüngeren Jahren äußerst gutaussehend gewesen sein musste. Er begrüßte uns beide mit einem Wangenkuss, der nach Tabak roch. »Ah, salut Véro«, und zu mir: »Enchanté.«

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